MS,  Schwangerschaft

Meine zweite Schwangerschaft

Da meine zweite Schwangerschaft früher kam als geplant und doch genau im richtigen Moment freute ich mich riesig als sich unsere Tochter ankündigte.

Wir erfuhren in der siebten Schwangerschaftswoche, dass wir wieder Nachwuchs erwarten würden. Doch diesmal war es wieder ganz anders. Es war eine kalte Sommernacht, in der ich es erfuhr. Seit Tagen war ich verkühlt und so nahm ich vor dem Einschlafen Nasentropfen. Keine starken nur ein Meersalz Spray. Ich legte mich also nieder, doch wachte mitten in der Nacht auf. Mein Auge war komplett zugeschwollen. Ganz schnell machte sich Panik breit. Nach meiner allergischen Reaktion auf Copaxone war ich hoch sensibel. So packten wir unsere Sachen, organisierten meinen Bruder als Babysitter und fuhren ins Krankenhaus. Dort angekommen meinten die Ärzte es könne eine Überreaktion sein und bereiteten eine Kortison Infusion vor. Doch davor wurde ich noch nach einer möglichen Schwangerschaft gefragt. Eigentlich unmöglich aber da es wieder einmal diese eine Woche war in der ich meine Tage erwartete und ich bereits gelernt hatte, der Teufel schläft nie, sagte ich nur intuitiv und wahrscheinlich auch vor lauter Müdigkeit und Schlaftrunkenheit, ich wisse es nicht. Eine sehr liebe junge Ärztin meinte dann nur, na gut dann werden wir schnell einen Test machen. Für mich war es rückblickend alles wie im Traum, ganz surreal und verschleiert. Ich döste auf einem Bett hinter Vorhängen als ich ein beginnendes Gewusel und eine aufkommende Nervosität bemerkte. Diese war aber nicht negativ, sondern freudig aufgeregt und so bekam ich sogleich einen dicken Glos im Hals.

Ich war wieder schwanger. Ich bekam anstelle von Kortison lediglich eine Fenistil Infusion und wurde noch in der Nacht mit besten Glückwünschen entlassen.

Am nächsten Tag hatten wir bereits einen Frauenarzt Termin und mir wurde die Schwangerschaft bestätigt. Allerdings meinte meine Frauenärztin es sei noch sehr früh und wir sollen erstmal abwarten. Das war der Moment, ab dem ich ein ganz komisches Gefühl hatte. Und ich sollte recht behalten. In der 11. Schwangerschaftswoche bekam ich eines Morgens starke Blutungen. Mein Herz blieb stehen, ich rannte sofort weinend zu meinem Freund und sagte wir müssen sofort ins Krankenhaus. Ich wusste, dass es etwas Ernste war doch ich wollte unser Kind unter gar keinen Umständen verlieren. Meine Mama war innerhalb von 10 Minuten bei uns damit sie auf unseren Sohn aufpasste. Es war so schwer denn zu diesem Zeitpunkt wusste sie noch nicht von einer Schwangerschaft und trotzdem ahnte sie es bereits als ich total aufgelöst vor ihr stand und sagte ich müsse sofort ins Krankenhaus.

Und dort saßen wir und warteten eine gefühlte Ewigkeit. Und dann kamen wir endlich dran. Die Ärztin war so ziemlich das Inkompetenteste was ich an Ärzten in meinem Leben je erlebt habe. Sie suchte 15 Minuten einen Herzschlag, der hochmoderne Ultraschall stürzte ihr 5 Mal ab und sie fragte bei jeder Bewegung die Schwester ob das stimmte was sie machte. Ich wusste nicht wohin mit meiner Verzweiflung, war innerlich total aufgelöst. Ich hatte zwar keine Diagnose doch sollte ich eine Nacht im Krankenhaus verbringen. Das tat ich auch und wurde am nächsten Tag entlassen. Ich wusste nichts, niemand sagte mir etwas, ich hatte in dieser Zeit furchtbar Angst. Glücklicherweise konnte ich am nächsten Tag sofort zu meiner Frauenärztin, die bei mir ein Hämatom in der Gebärmutter feststellte. Sie sagte mir aber auch gleich, dass es unserer Tochter gut ginge und ich jetzt einfach sehr viel Ruhe bräuchte und mich so wenig wie möglich bewegen sollte, damit das Abbluten des Hämatoms nicht unser Baby mit raus spült. Gut versorgt mit Medikamenten, die ich die gesamte Schwangerschaft durch nahm startete nun eine sehr anstrengende, zermürbende Schwangerschaft. Dass ich mich so wenig bewegen durfte machte mir auch psychisch zu schaffen und verstärkte meine Ängste immens. Zum ersten Mal fragte ich mich ob es die richtige Entscheidung war. Hätte ich doch mit den schweren Medikamenten beginnen sollen und erstmal ein paar Jahre mit einem weiteren Kind warten sollen? Doch meine Entscheidung stand schnell fest, dass es das absolut Beste und Richtige war.

 

Und so kam es, dass ich 10, mühsame, schonungsvolle, ereignislose Monate später eine Woche vor dem errechneten Geburtstermin unsere kleine Tochter auf die Welt brachte. Wieder eine natürliche Geburt, nur 10 Stunden diesmal und sogar ohne PDA, weil sie es im Endspurt echt eilig hatte.